Raku

Raku ist die Bezeichnung für eine bestimmte Teeschalenform, die in einem speziellen Verfahren gebrannt wurde und die sich im 16. Jahrhundert in Japan parallel zur Teezeremonie entwickelte, ein daraus entstandener japanischer Familienname/Titel und die Bezeichnung für Glück/Freude.

Was heute in den USA und Europa unter "Raku" bekannt ist, hat mit seinen japanischen Ursprüngen nicht mehr viel zu tun.

Es handelt sich hier um eine Niedrigbrandtechnik, bei der die glasierten Werkstücke in einem Holz-, Gas- oder auch Elektroofen in relativ kurzer Zeit auf ca. 900 - 1000 Grad C aufgeheizt werden. Wenn die Glasuren schön ausgeschmolzen sind, werden die Objekte mit Zangen dem Ofen entnommen und in einen Behälter mit organischem Material (Sägemehl, Sägespäne, Papier usw.) gelegt. Dieses fängt in Kontakt mit den heissen Keramiken sofort zu brennen an. Das Feuer wird erstickt, worauf sich Rauch bildet und die durch den Temperaturschock entstandenen, charakteristischen Risse in der Glasuroberfläche schwarz einfärbt. Enthalten die verwendeten Glasuren z.B. Kupferanteile, können bei dieser sog. Reduktion wundervolle Lüster entstehen, die bei herkömmlichen Bränden im Elektroofen nicht erzielt werden können.

Weitere Formen des Raku sind Pferdehaar-Raku, Naked Raku und verschiedene Formen des "moldawischen" Raku (Obvara, Fermented oder Baltic Raku).

All diesen westlichen Raku-Techniken ist gemeinsam, dass es sich um Niedrigbrand-Keramik handelt. D. h. die Keramiken sind nicht dicht gebrannt (nicht frostfest) und nur sehr eingeschränkt für Ess- & Trinkgefässe geeignet.

Trotzdem erfreut sich Raku grosser Beliebtheit - es ist einfach auch spektakulär, in so kurzer Zeit, "fertige" Resultate zu bekommen, worauf man bei Bränden im Elektroofen stundenlang warten muss. Es ist faszinierend, im direkten Umgang mit Feuer und Rauch die Rissbildung in der Glasur und die Lüsterbildung auf der Oberfläche zu beeinflussen, den Brennvorgang  hautnah mitzuerleben und ebenso eine Herausforderung, ein sattes, samtenes "Räucherschwarz" zu bekommen.

Persönlich habe ich den Anspruch, dass auch Raku-Keramiken "perfekt" sein können oder sollen - das macht für mich auch den Reiz an dieser Brenntechnik aus, weil es jedes Mal eine Herausforderung und Überraschung, ein Zittern und Bangen ist.

Ich habe Mühe damit, wenn "fehlerhafte" Teile damit "entschuldigt" werden, dass sie halt aus einem Rakubrand kommen... Damit werden diese Brenntechniken und ihre namhaften Künstler "entwertet" und der Eindruck vermittelt, dass Raku = Fehler, Husch-Husch-Pfusch-Pfusch und eh nichts "Richtiges" ist.

Rakubrände sind "Risiko-Brände" - man weiss nie genau, wie die Keramik aus Rauch und Asche herauskommt, der Temperaturschock kann manchmal zu Bruch führen und die Ofengötter scheinen auch ihre Opfergaben zu wollen...